Auch in diesem Jahr veranstaltete on3, der Jugendradiosender des BR, in München wieder ein eintägiges Festival, bei dem, neben bekannten Bands wie Oh Land oder Casper, vor allem auf deutsche Nachwuchsbands, sowie Geheimtipps gesetzt wurde. Insgesamt 16 Künstler traten auf drei Studios verteilt im BR Funkhaus auf und wieder einmal war das Angebot schon fast zu groß.
Am frühen Abend beginnt die Münchner Sängerin “Ebow” im kleinsten Konzertsaal ihre Show, musikalisch klingt sie wie eine deutsche Version von M.I.A. oder Santigold. Verstärkt wird die türkischstämmige Künstlerin live von mehreren Gastsängerinnen, sowie einem DJ.
Obwohl sie noch bei keinem Label unter Vertrag steht, ist der Saal schon zu dieser frühen Uhrzeit gut gefüllt und ihr Mix aus Balkansound, Rap und elektronischen Elementen kommt beim Großteil des Publikums recht gut an.

“Reflekta Reflekta” aus Nürnberg stehen derweil schon auf der zweiten Bühne und überzeugen das Publikum mit ihrer Mischung aus Synthiepop und komplexen Rhythmen. Im Dezember erscheint das erste Album der jungen, deutschen Band und das Publikum in Studio 2 ist sich nach der Show sicher, dass man von dieser Combo in Zukunft sicherlich noch mehr hören wird.

Für eine kurze Verschnaufpause bleibt jedoch auch jetzt keine Zeit, im größten Saal des Funkhauses beginnt Casper seine Show. Benjamin Griffey, der es schafft in seiner Musik Rap mit Indie und sogar Popeinflüssen perfekt zu kombinieren, hat in diesem Jahr nahezu alles erreicht – eine restlos ausverkaufte Tour, ein Nummer-1-Album und unzählige neue Fans, nach Jahren im Underground.
Und obwohl er auch an diesem Abend wieder eine perfekte Liveshow liefert, will der Funke nicht recht aufs Publikum überspringen. Immer wieder animiert er die Zuschauer mitzusingen, zu klatschen oder mit ihm zu springen und dennoch bleibt die Stimmung sehr verhalten.
Hier merkt man zum ersten Mal am Abend sehr deutlich, dass das on3 Festival für den Großteil der Besucher in erster Linie eine gute Möglichkeit darstellt neue Bands kennenzulernen, wegen Casper sind scheinbar die Wenigsten ins Funkhaus gekommen. Und doch scheint es dem Rapper nichts auszumachen, viel eher ist es für ihn eine willkommene Abwechslung einmal nicht alle Leute sofort auf seiner Seite zu haben. Er spielt eine souveräne Show mit den meisten Liedern des aktuellen Albums “XOXO”, sowie vereinzelten älteren Songs.
Beim letzten Lied des Konzerts kommt dann zu guter Letzt doch noch Euphorie auf im Studio 1 – “So perfekt”, die Radiosingle des Albums, kennen dann doch die meisten Zuschauer und Casper weiß, dass er alles richtig gemacht hat. Er springt ins Publikum, umarmt Fans und tanzt das letzte Lied mit ihnen.
Auch wenn es wohl nicht sein bestes Konzert war, Casper kann sich sicher sein, nach dem heutigen Abend noch ein paar treue Fans mehr an seiner Seite zu haben.

In Studio 3 steht derweil “Muso” auf der Bühne, ein junger Heidelberger, der, ähnlich wie Casper, HipHop mit Indie verbindet. Prominente Unterstützung findet der 25-jährige dabei in Konstantin Gropper, dem Mastermind hinter “Get Well Soon”, der auch live mit dem jungen Talent auftritt.
Obwohl sich nur wenige Leute in dem kleinen Saal eingefunden haben, weiß der junge Rapper zu überzeugen, teilweise ist seine Musik schon fast Spoken-Word artig und dennoch ist sein Sprachflow unüberhörbar und passt perfekt zu den Beats. Ob man in der Zukunft noch mehr von “Muso” hören wird, entscheidet sich wohl im nächsten Frühjahr, denn dann will der Heidelberger sein Debütalbum auf den Markt bringen.

In Studio 1 stehen als nächstes “Serenades” auf dem Programm, die neue Band um Shout Out Louds-Sänger Adam Olenius sowie Singer/Songwriter Markus Krunegard. Musikalisch entfernt sich Olenius nicht allzu weit von seiner Hauptband und so bieten die “Serenades” auch live glatten Indierock, der das Publikum allerdings nicht wirklich zu begeistern weiß, vielleicht auch weil das erste Album der Band erst im Frühjahr erscheinen wird und noch keiner die Songs bisher gehört hat. Es bleibt abzuwarten, ob sie mit ihrem Debüt auf Dauer an die Indiehits der Shout Out Louds anknüpfen können.

Als letzer Act und Headliner im Studio 1 tritt die dänische Elektropop Sängerin “Oh Land” auf und präsentiert live die Hits ihrer beiden Alben. Gleich an zweiter Stelle spielt sie die Single “Sun Of A Gun” und hat damit sofort das Publikum auf ihrer Seite.
Live verwendet die junge Künstlerin neben einem Drumpad auch viele andere elektronische Elemente und schafft es so außergewöhnlich gut, den einzigartigen Sound der Alben, der am ehesten noch mit Goldfrapp oder Little Boots verglichen werden kann, beim Konzert umzusetzen. Ein würdiger Abschluss für ein schönes on3 Festival 2011.

Auch ansonsten kann die Veranstaltung jedem nur fürs nächste Jahr ans Herz gelegt werden – keine Wartezeiten, perfekter Sound in allen Sälen, faire Preise und ein angenehmes Publikum!
Videos gibts unter http://on3.de/focus/35/on3-festival