Das Melt! Festival liegt hinter uns und was soll man sagen? Es gibt fast keine Kritik. Wie auch in den Vorjahren wurde hier ein Event geboten, das seines Gleichen sucht. Angefangen bei der tollen Atmosphäre die mir bis her kein anderes Festival vermittelt hat, bis hin zu den starken Auftritten der vielen Künstler.
Donnerstag
Wir gehörten Donnerstag 12 Uhr zu den ersten die den Campingplatz enterten. Schnell war ein Platz gefunden und Freundschaft mit den Nachbarn geschlossen. Hier hat man schon gemerkt, die Besucher des Festivals sind alle auf einer Wellenlänge was Freundlichkeit und Kameradschaft angeht. Keine Aggressivität oder Zerstörungswut wie auf vielen anderen Festivals. Nachdem auch der Rest der Truppe im Laufe des Nachmittags zu uns gestoßen ist, wurde das Campinggelände genauer unter die Lupe genommen. Hier und da waren kleine Partystages aufgebaut wo man schon am Nachmittag das Tanzbein schwingen konnte. Besonders toll das schon hier die Musik auf einem sehr hohen Niveau war. Am Abend besuchten wir die Intro-Pre-Party. Super Show von Mediengruppe Telekommander und eine extravagante Eskalation bei Egotronic. Frittenbude haben wir dann nicht mehr angeschaut. Durfte dann auch noch das gesamte Campinggelände bei Nacht erkunden und Bekanntschaft mit den Sanitätern machen. So hatte man wenigstens alles mal gesehen…
Neben einigen Drinks und einem weiteren male auf dem Zeltplatz umherirren, hatte der Donnerstag nichts weiter zu bieten. Kleiner Kritikpunkt an dieser Stelle: Eine Kennzeichnung der Campingflächen wäre für betrunkene Leute ohne Orientierungssinn von Vorteil. Da verliert man dann auch nicht seine Schuhe…
Freitag
Gut ausgeruht und katerfrei ging es gegen 10Uhr aus dem Bett. Wetter war eher kühl und windig was vorerst die Stimmung etwas trübte. Doch nach einigen leckeren Bechern Apfelsaft und Gemeinschaftlichen spielen wie English Scharade, war die Stimmung wieder auf dem Höhepunkt.
Is Tropical
Das Konzert hat sehr laut begonnen. Sound hat sich aber gebessert. Der Drummer der Band ist ein totales Tier. Sehr fetter Sound und die Band ist gar nicht so Indie, wie Sie auf Platte klingt.
The Naked and Famous
Habe die Band bereits vor einigen Wochen bei Rock im Park gesehen. Da waren Sie gut aber bei weitem nicht so überragend wie auf dem Melt! Festival. Grandiose Stimmung im Publikum und sehr druckvoller Sound. Die Band hatte sichtlich Spaß. Dieser Auftritt gehörte Eindeutig zu den Highlights des Festivals.
FM Belfast
Wie nicht anders zu erwarten ist es bei FM Belfast derbe Eskaliert. Die Band hat auf der Bühne eine Menge Energie freigesetzt. Man hatte allerdings das Gefühl, das hier Instrumental ein wenig zu viel präsentiert wurde für die wenigen Instrumente, die auf der Bühne zu sehen waren. Die Frontleute der Band haben das allerdings durch ständiges animieren und anheizen des Publikums wieder wettgemacht.
Robyn
Der Auftritt von Robyn ist nur schwer Einzuschätzen. Einerseits war die Stimmung wieder mal Top und der Sound stark aber man hatte das Gefühl, das hier einiges Playback war. Die Show war allerdings sehr nett und die Dancingmoves der Schwedin sehr schön anzusehen.
Noze
And nooowww….
Leider mit 20 Minuten Verspätung angefangen, da es technische Probleme gab zu Anfang. Die Franzosen haben ihre Songs diesmal mit Band präsentiert. Es wurden wieder viele Titel vom aktuellen Album gespielt aber auch der ein oder andere Klassiker war in der Setlist. Musikalisch war das eine wunderbare Sache. Leider war die Stimmung im Publikum weniger euphorisch. Lag allerdings auch an der Playtime. Auf einer anderen Stage zwischen weniger harten Electroacts wären Noze besser aufgehoben gewesen. Für mich trotzdem einer der besten Auftritte des Festivals. Man kann nur hoffen das Nicolas Sfintescu noch einige Jahre unter den Lebenden weilt bei dem Alkohol- und Zigarettenkonsum.
Carl Craig vs. Radioslave
Sehr schönes Technoset von den beiden. Gehören nicht umsonst zu den Größten aus ihrem Genre und das hat man auch gehört.
Boys Noize
Ganz große Überraschung für mich! Der hat die Mainstage extrem gerockt. Total ausgelassene Stimmung und Musik die einfach nur auf die Fresse geht. Kann eigentlich mit so extrem harten synthetischen Elektro nicht viel anfangen aber das war ein super Auftritt. Einfach mal die Scheuklappen abnehmen und mit den Leuten Feiern war da angesagt. Der Sonnenaufgang hat dann für einen fast perfekten Festivalmoment sein übriges getan.
Samstag
Gegen 7 Uhr im Zelt gewesen und etwa 3 Stunden geschlafen. Das Wetter am Samstag war überragend und deswegen kurzerhand das Schlafquartier nach draußen verlegt. Zum Mittag gab es dann wieder leckeres vom Gaskocher und Grill. Ganz Festival like eben. Der Nachmittägliche Besuch auf dem Sleepless Floor war einer der Höhepunkte des Tages bevor es am Abend wieder aufs Festivalgelände ging.
Redshape
Das einstündige live Set war zu Anfang noch etwas träge, hat aber zum Ende hin gut Fahrt aufgenommen. Die Subbass bei einigen der Tracks hat uns das Bier regelrecht in den Rachen gedrückt. Guter Auftritt!
Ame
Hier wurde dem Big Wheel wieder alle Ehre gemacht. Krasse Leute! Krasse Stimmung! Krasse Musik! Eines der Highlights!
The Streets
Der vorerst letzte Deutschland Auftritt fand also nun beim Melt! Festival statt. Kannte leider nur 2 Lieder aus der Setlist. War aber nichts desto trotz schwer begeistert. Mike Skinner ist die totale Frontsau und bezieht das Publikum einfach super mit ein. Sehr schade, dass es die Band nun nicht mehr gibt. Das war jedenfalls ein würdiger letzter Auftritt.
DJ Koze
Für mich das beste und abwechslungsreichste Set was ich auf dem Festival gehört habe. Wunderbarer Mix aus typischen Koze Tracks und feinen Klassikern. Hier auch wieder ein Magic Festival Moment als er Sinner In Me spielte.
M.A.N.D.Y.
Guter Mix mit feinen Dub Step Einflüssen. Da hab ich was ganz anderes erwartet und wurde wieder mit einem sehr starken Set überrascht.
Total Confusion
Guter Abschluss am Sonntag Morgen. Fetter Sound der genau die richtige Balance zwischen chilligkeit und dancebarkeit hatte. Hier auch wieder ein Lob an das Melt! Booking für eine solch tolle Compilation. Sowas ist einzigartig und wertet jedes Line up auf!
Sonntag
Der letzte Tag war dann leider schon wieder viel zu schnell angebrochen. Man hatte sich langsam an diese Lebensbedingungen gewöhnt und sich mit dem Müll im Camp angefreundet. Auch Sonntag stand wieder ein Besuch auf dem Sleepless Floor an und dieser war sogar noch mal einen Tick besser als am Vortag. War schön Bekannte Gesichter aus der Heimat zu treffen.
Bag Raiders
Böse Zungen behaupten ja, dass hier auch nicht alles Live war. Kann ich nur schwer Einschätzen. Mir hat es jedenfalls gut gefallen. Und mit Snake Charmer wurde auch einer der Songs gespielt auf die ich mich am meisten gefreut habe.
Ben Klock
Strömender Regen und harter Berghain Techno. Da ging es feucht zu! Cooler Sound wenn auch für meinen Geschmack etwas zu eintönig.
Frittenbude
Eigentlich sollte ja Plan B auf der Mainstage spielen. Dann war es allerdings Frittenbude. Habe nur die letzten 3 Songs miterlebt. Das war aber legendär! Die gesamte Crowd so heftig am eskalieren und das alles bei strömenden Regen. Dann gab es auch noch eine Wall of Love. Hätte nicht erwartet das mich diese Band noch mal so mitreisen kann. Das Publikum war aber auch einfach der Wahnsinn.
White Lies
Vor einigen Wochen auch schon gesehen und diesmal sogar noch besser gefallen. Wieder eine Band wo ich nur einen einzigen Song kenne und trotzdem war es total mitreisend. Die Unglaublich Stimme des Sängers und der druckvolle Sound haben mich wieder schwer beeindruckt. Da war es dann auch fast schon ein bisschen romantisch aber auch nur fast…
Chase & Status
Einer der Acts den ich eigentlich nicht einmal auf den Plan hatte. War dann mit das beste was ich seit langen gehört habe. Die Mischung aus Dub Step, Breakbeat und Drum´n´Bass hat die Leute total in Ekstase gebracht.
Richie Hawtin
Der typische Hawtin Sound. Nicht schlecht aber auch nichts Besonders. Da fehlt leider ein wenig die Abwechslung in den Sets. Positiv zu erwähnen ist allerdings das der Sound besonders druckvoll war. Vermute mal das da vertraglich geregelt war das der Richie am lautesten machen darf
Sleepless Floor
Der Sleepless Floor, vor dem Eingang zum eigentlichen Festivalgelände, ist und bleibt die beste Stage des Melt! Festivals. Hier muss man Nachmittag einfach unbedingt vorbei schauen. Coole witzige Leute, Super Stimmung sowie allerfeinste Musik vom Vinyl. Dazu eine liebevolle Deko. Hier hat man sich einfach wohlgefühlt und immer nette Leute kennengelernt. Ein weiterer Grund der gerade für diese Stage spricht ist das es möglich war alle Art von Getränken mitzubringen.
Duschen und Toiletten
Die Gemeinschaftsduschen boten fast durchgehend warmes Wasser wenn auch der Preis von 1,50 € fürs Duschen mir etwas hoch erschien. Sauberkeit der Sanitären Anlagen war Mittelmass für den Preis.
Personal
Ordner und Security waren durchgehen gut organisiert und immer freundlich. Gegen einen kleinen Pfand, wurde uns sogar ein Einkaufswagen geliehen um unsere Gepäck zu transportieren. Das war eine sehr feine Sache!
Getränke und Catering
Die Auswahl an Fressbuden auf dem Festivalgelände war beträchtlich. Hier war für jeden was dabei und das für Festivalverhältnisse gute Preise. Für 4 € ist man wirklich satt geworden. Den Liter Bier gab es für 8,50 €. Das war auch in Ordnung. Da zahlt man anderswo wesentlich mehr. Einen großen Bogen konnte man allerdings um die Longdrinks machen. War da überhaupt Schnaps dran?
Abschließend kann man sagen, dass es wieder mal überwältigend gut war. Das tolle Publikum und der durchgehend gute Sound an den Bühnen sowie die wunderschöne Location, machen das Melt! Festival zu etwas ganz besonderen und einzigartigen.