Mittlerweile kennt ihr das ganze Prozedere ja schon. Also fasse ich mich heute etwas kürzer. Die Jägermeister Wirtshaus Tour ist wieder da! Getreu dem Motto „Satte Tunes von Bug bis Heck“ wird in Bremen in See gestochen.
Nachdem bereits in Frankfurt ein schwimmender Austragungsort für die Electrosause gewählt wurde, geht es nun zum zweiten Mal auf dem Wasser so richtig ab. An Bord der MS Treue wird die verstaubte Schiffskombüse von Feadz und Does It Offend You, Yeah sowie den lokalen DJ-Größen La Boumbox, DJ Mickey & Marzeki ordentlich aufgemischt.
Bei diesem brachialen Sound ist Wellengang garantiert. Auch die beliebten Kneipenspiele sind natürlich mit dabei. Da kann ja eigentlich am 20.10.2011 nichts mehr schief gehen!
Feadz
Der aus Paris stammende Feadz ist ein Club-DJ wie aus dem Bilderbuch. Seit mehr
als zehn Jahren ist er weltweit bekannt für seine Live-Sessions in den Clubs. Doch
daneben hat er sich auch einen Namen als Produzent gemacht. So arbeitete er mit
Mr. Oizo und hat die amerikanische Sängerin Uffie entdeckt, unterstützt und
produziert. Ein paar EPs hat er bei dem deutschen Label bpitchcontrol
aufgenommen, ist aber vorrangig bei dem legendären Label Ed Banger Records. Die
Platte „The Unfinished Feadz Fairytale“ ist kennzeichnend für seinen Stil: ein
gekonnter und perfekt abgemischter Mix aus Electro, Hip Hop, fetten Sounds und
einer extravaganten Scratching-Technik. Wo Feadz ist, bebt die Hütte. So auch auf
der MS Treue bei der Jägermeister Wirtshaus Tour! Der Kahn wird wackeln!
Does It Offend You, Yeah?
Zugegeben, ein etwas skurriler Bandname. Doch die Geschichte hat Hand und Fuß:
Als die beiden DJs Dan Coop (Synthesizer) und James Rushent (Vocals, Guitar) aus
Reading ihren ersten eigenen Song „Battle Royale“ auf MySpace hochluden, sollen
sie sich spontan für einen Bandnamen entschieden haben. Ihr Deal: Der erste Satz,
der im Fernseher gesprochen wird, sollte ihren Namen ergeben. „Does It Offend You,
Yeah?“ Das war 2006 und das Herz der Band war geboren. „Battle Royale“
verbreitete sich wie ein Lauffeuer und schon bald hagelte es Anfragen von diversen
Plattenlabels. 2007 nahmen DIOY,Y? ihr erstes Album „You Have No Idea What
You’re Getting Yourself Into“ auf, das 2008 bei EMI veröffentlicht wurde. Schon bald
waren Does It Offend You, Yeah? in der obersten Spitze der meistgespielten
Künstler auf Last.fm. Auch mit ihrer provokativen Live-Performance schlugen
DIOY,Y? ein wie eine Bombe. Sie produzierten Remixe, angefangen für Muse über
Bloc Party und die White Stripes, und waren seither auf diversen Soundtracks, wie
Fast & Furious, The A-Team, American Teen, Gran Turismo 5, sowie in zahlreichen
US- und UK-TV-Shows vertreten. Ihr musikalischer Stil lässt sich mit der
Bezeichnung Indietronic gut beschreiben und wird oft mit Daft Punk, Justice und The
Prodigy verglichen. Ihr zweites Studioalbum „Don’t Say We Didn’t Warn You“
erschien Mitte März 2011. Jetzt werden DIOY,Y? zur Freude ihrer deutschen Fans
die MS Treue in Bremen entern und am 20.10. die Flagge der Jägermeister
Wirtshaus Tour hissen.
Die Jägermeister Wirtshaus Tour in Leipzig liegt nun fast schon eine ganze Woche hinter mir. Es wird also endlich Zeit, dass ich die langsam schon wieder verblassenden Eindrücke sammle und euch ein wenig von diesem gelungenen Abend erzähle.
Begonnen hatte dieser Donnerstag wie so viele Donnerstage und zwar mit fleißigem Studieren in der FH. Kurz nach 16 Uhr startete ich mit einem Kommilitonen per Mitfahrzentrale von Nürnberg nach Leipzig. Die Sonne schien und alles war in bester Ordnung. Doch je weiter wir in Richtung Norden vordrangen und je später es wurde, desto bescheidener war das Wetter. Als wir dann gegen 19 Uhr in Leipzig ankamen, sah es verdammt nach Weltuntergang aus. Wir hatten eine super Unterkunft bei der Schwester besagten Kommilitonen.
Aber wir waren spät dran. Da wir zum Essen eingeladen waren, mussten wir uns beeilen. Ich machte das erste Mal Bekanntschaft mit dem öffentlichen Verkehrsnetz Leipzigs. Dieses kann man als recht bescheiden beschreiben. Bis auf ein paar Straßenbahnen und Busse fährt nicht viel auf den verregneten Straßen. Diese wiederum auch nicht in die von uns gewünschte Richtung. Bleibt also nur ein Taxi. Bis wir dann endlich eins gefunden hatten, waren wir trotz Schirm auch schon total nass. Shit happens!
Aber wir Kinder aus dem Osten lassen uns von solchen Lappalien nicht beeindrucken. Wir kamen auch noch rechtzeitig zum Essen im Wirtshaus am Monarchenhügel an. Die ersten bekannten Gesichter waren schnell ausgemacht und begrüßt. Schließlich bin ich ja mittlerweile schon fast Stammgast im Jägermeister Wirtshaus.
Lange mussten wir uns die Zeit auch gar nicht mit “Vorglühen” vertreiben, da ging es auch schon richtig los. Nick D-Lite begann sein Warm Up Set zu spielen. War ganz solide, wenn auch nichts Besonderes. Man hat sich wohl einfach an dem Breakfastklub Sound satt gehört. Die Leute waren ebenfalls noch mit anderen Dingen, wie Kicker, Tischtennis, Jenga, Looping Louie, Darts und Bowling beschäftigt und mieden demzufolge eher die Tanzfläche. Dafür war an der Bar schon gut was los. Typisch Jägermeister.
Ein Wort zur Location: Etwas zu groß und recht ungemütlich. Hat mich an eines der guten alten “Kulturhäuser” aus meiner ostdeutschen Heimat erinnert. Aber es gibt durchaus schlimmere Orte zum feiern.
Kurz nach 11 begannen dann auch schon Slagsmålsklubben ihre Nintendo Beats unters Tanzvolk zu werfen. Die Jungs kommen überaus sympathisch rüber und haben Freude an dem, was sie da auf der Bühne tun. Die Musik ist dabei recht abwechslungsreich und frisch. Noch dazu ist wirklich alles live! Einen solchen Fuhrpark an Synthesizern und anderen Spielereien sieht man selten. Da geht dem Sound Nerd das Herz auf. Dem Publikum hat’s auch gefallen. Alle sind gut mit gegangen und haben trotz Größe des Raumes gut Fahrt aufgenommen und sich nah aneinander gekuschelt.
Langsam setzte dann auch der physische Abbau ein. Geschuldet war dieser dem langen anstrengenden Tag und natürlich auch dem Genuss des ein oder anderen Kräuterlikörs. Aber egal, es muss ja weiter gehen!
Kavinsky sollte als nächster das Ruder übernehmen, aber er fiel aus mir nicht (mehr) bekannten Gründen aus. Dafür übernahm Das Glow die Plattenteller. Ich war durchaus positiv überrascht. Der Herr hat Tracks gebracht, die so ganz und gar nicht in die zur Zeit herrschenden Trends passen wollen und sich am Electro Sound vergangener Jahre orientieren. Mir hat’s gefallen, dem verbleibenden Publikum auch.
Ich zog mich dann aber zum Quatschen und Kickern zurück. Die Jungs vom Tonsystem Klangkunst aus Rudolstadt (zu erkennen am UR T-Shirt -> Nicht “Underground Resistance” sondern “Underground Rudolstadt”) waren auch dabei und so kam man ins Gespräch über Musik, die Heimat, das Internet und Jägermeister. Allgemein hat sich wieder eine Tatsache mehr als deutlich bewiesen: Im ehemaligen Osten sind alle Menschen einfach viel freundlicher und aufgeschlossener als an vielen anderen Orten in Deutschland. Egal ob sie nun gebürtig von dort stammen oder zugezogen sind.
Wir blieben bis kurz vor Schluss und orderten ein Taxi nach Hause. In nüchternem Zustand hätten wir wohl Todesängste ausstehen müssen, denn die Tachonadel des Taxis zeigte stolze 100km/h als wir durch Connewitz bretterten.
Nach einem kleinen Absacker Sambuca ging’s dann endlich schlafen. Die Nacht verbrachte ich dann auf einer sehr komfortablen Matratze. Freitag früh wurde dann noch ausgiebig gefrühstückt, bevor ich mich allein auf den Weg zum Bahnhof machte. Unterwegs wurde ich wieder von der Freundlichkeit der Leipziger überzeugt, die mich ganz unaufdringlich in der Straßenbahn in Gespräche verwickelten. Der ICE brachte mich schließlich ins nicht weit entfernte Thüringen, wo ich die nächsten drei Tage Heimaturlaub machte.
Es ist soweit, die Wirtshaus Tour macht Stopp im wilden Osten! Der Oktober wird golden, dafür sorgen Slagsmålsklubben & Kavinsky.
Dass sich Leipzig zur Party Metropole gemausert hat, dürfte kaum noch ein Geheimnis sein. Und das die freundliche sächsische Mentalität schnell jedes Eis bricht ist genauso wenig ein Geheimtipp. Was liegt also näher als den nächsten Stopp der Jägermeister Wirtshaus Tour in der Ost-Metropole anzusiedeln? Grund genug Wirtshaus am Monarchenhügel ordentlich vom Leder zu ziehen!
Aber anstatt Leipziger Allerlei werden feinste elektronische Delikatessen serviert! Für eure musikalische Belustigung sorgen Kavinsky und das sechsköpfige Electro-Kollektiv Slagsmålsklubben aus Schweden. Unterstützung gibt’s vom Lokalhelden Nick D-Lite, der euch alle von DJ Team Breakfastklub bekannt sein dürfte.
Natürlich darf sich auch in Leipzig bei allerhand Kneipenspielen ausgetobt werden. Neben dem Bühnenprogramm der Superlative darf gedartet, gekickert und gewürfelt werden, was das Zeug hält.
Wer sich einen der heiß begehrten Platz auf der Gästeliste am 06.10.2011 in Leipzig sichern will, der kann das mit einer einfachen Mail mit dem Betreff „Jägermeister Wirtshaus“ an: gewinnspiel@soundbox-blog.de gerne tun.
Mit etwas Glück gehört ihr zu den glücklichen Gewinnern von 2×2 begehrten Plätzen auf der Gästeliste!
[UPDATE: Die Verlosung ist abgeschlossen, die Gewinner wurden benachrichtigt. Herzlichen Glückwunsch]
Kavinsky
Die Geschichte ist so skurril wie gut: 1986 starb Kavinsky bei einem schrecklichen
Autounfall in seinem geliebten Testarossa. Eigentlich. Denn seine Auferstehung im
Jahre 2005 ließ ihn als Zombie wieder unter den Lebenden weilen. Im Gepäck seine
12-Inch „Teddy Boy“. Seither wurde Kavinsky mit seiner Musik rund um den Globus
gesichtet und er versammelte sehr schnell eine euphorische Menschenmenge um
sich, die Zeuge von seiner Lebendigkeit sein wollten. 2007 veröffentlichte das
französische Electro-Wunder seine zweite Single „1986“ und begleitete die
landsmännische Houseformation Daft Punk auf ihrer „Alive Tour“. Als kleinen
Vorgeschmack auf sein Debütalbum brachte Kavinsky 2010 die EP „Nightcall“
heraus. Produziert von Daft Punk-Member Guy-Manuel de Homem-Christo und
gemischt von SebastiAn, featured dieser Song zum ersten Mal ein Duett des
Künstlers und seiner Freundin Lovefoxxx von CSS. Mit einem unüberhörbaren Faible
für 80er Synthies à la Knight Rider und den treibend-hypnotisierenden Beats steht
der erfolgreiche Electro-Zombie vor allem für eines: seinen unvergesslich guten,
eigenen Stil.
Slagsmålsklubben
Das schwedische Sextett Slagsmålsklubben begann seine Karriere im Jahr 2000 mit
einem Spielzeug-Synthesizer-Set. Doch aus Spielerei wurde Ernst und der erste
Song „Hit Me Hard“ erschien auf dem 2003 veröffentlichten Debütalbum „Den
Svenske Disco“. Diese LP war kennzeichnend, denn sie leitete ein neues Genre ein:
Blip-Hop. Electro trifft Hip Hop und dies funktionierte auch über die Grenzen
Schwedens hinaus. Nach dem zweiten Album „Sagan Om Konungens Årsinkomst”
2004 zog es die Jungs nach Berlin, ihre neue Heimatstadt. Unter Berliner Einfluss
produzierte die Combo ihren dritten Longplayer „Boss For Leader“. Dieser bescherte
ihnen Auftritte in den großen Clubs Europas inklusive Ibiza und sogar in Südamerika
und machte Slagsmålsklubben zu einem gefeierten elektronischen Liveact!